Erlebnis… Stadtbummel durch Münchens "Gute Stube" München, die bayerische
Landeshauptstadt im Wandel der Zeit.

Turm der Heiliggeistkirche im "weiß-blauen"
Himmel der bayerischen Landeshauptstadt.
Vom Dorf Munichen zum Millionendorf oder vom Salzhandel zur Kulturhauptstadt
- die Stadt der bayerischen Könige hat viele Gesichter.
Am Anfang war das "Weiße Gold", die Gier nach Macht und
Geld.
Na ja, so ganz stimmt das nicht, denn vor dem großen Salzgeschäft gab es da
schon ein kleines Dörfchen am smaragdgrünen Fluss mit seiner großen Insel. Das
Dörfl Munichen mit der kleinen Klosteransiedelung wurde jedenfalls schon 1102
von den Tegernseer Mönchen schriftlich festgehalten.
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Die Mönche verhalfen dem Dorf zum späteren Stadtwappen, dem Mönch mit der
schwarzen Kutte und Eidbuch in der Hand. Der kindlich dargestellte Mönch
verwandelte sich in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts vom jungen
Mann in ein Mädchen - eine schöne Münchnerin. Aus dem Mönch wurde das Münchner
Kindl. Beim jährlichen "Wiesnzug" (Festzug Oktoberfest) führt das Münchner Kindl
hoch zu Ross, eine Maß Bier in der einen und eine knusprige Brezn in der anderen
Hand, den Festzug an.
Aber zurück zu Munichen, dem kleinen Dorf an der Isar. Ab dem 6. Jh.
siedelten hier die Bajuwaren, davor lebten die Kelten und Römer in dieser
zauberhaften Flusslandschaft umgeben von schmeichelnden Flussauen und
Moränenkuppen, eine Laune der Natur, die der letzte eiszeitliche Gletscher
hinterlassen hat. Dem nicht genug, beschert diese Laune der Stadt zudem den
Föhn. Trügerisch rückt der Föhn die knapp 100 Kilometer entfernten Berge mit den
weißen Gipfeln unmittelbar vor die Stadt. Gut zu beobachten von einem der
Münchner Türme, vorzugsweise bequem per Lift, vom 85 m hohen Turm des Neuen
Rathauses bzw. sportlich über hunderte von Stufen schräg gegenüber vom Turm des
„Alten Peters“.
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Nun, diese traumhafte Landschaft dürfte den Welfenherzog Heinrich, der den
Beinamen „der Löwe“ trug, wenig interessiert haben, als er die bei Föhring
gelegene Zollbrücke im Visier hatte. Diese Brücke, gelegen an der großen
Salzstraße Salzburg – Augsburg, brachte dem Bischof von Freising Tag für Tag
viel Geld ein. Kurzerhand, nach Manier des 12. Jh. mit seinen kriegerischen
Raubzügen, zerstörte Heinrich der Löwe diese und erbaute seine eigene Brücke
über die Isar, etwas südlicher im Dorf Munichen. Am 14. Juni 1158 gründete er
seine Stadt für den Salzgroßhandel, geduldet von Kaiser Barbarossa. Aber schon
bald verlor er die Gunst des Kaisers durch seine Eigensucht. Jener setzte den
Wittelsbacher Herzog Otto als Regenten über die Stadt und Bayern im Jahre 1180
ein. Dies aus Dank für die siegreiche Schlacht in der Veroneser Klause, die den
Rückzug Barbarossas von Italien nach Deutschland ermöglichte. Otto der I. führte
eine Wittelsbacher Regentschaft an, die 1918 mit Ludwig III. endete. Die
Wittelsbacher machten ihre Stadt zum Regierungssitz und zur Landeshauptstadt.
München wurde zum Millionendorf und zur Weltstadt.
Die Wittelsbacher Herzöge und Könige formten das Stadtbild wie eine
Kunstkulisse. Sie hinterließen Prachtstraßen wie die Ludwig- und die
Maximilianstraße, den Königsplatz, die Münchner Residenz, Schlösser,
Universitäten, Theater, Museen, sie förderten die Technik, die Wissenschaften.
Sie waren volksnah und vom Volk geliebt.
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München – ist auch meine Stadt, die Hauptstadt der viel gerühmten bayrischen
Gemütlichkeit, die Weltstadt mit Herz, die Stadt der Kunst. Kinder, deren Eltern
Vater und Mutter ebenfalls in München geboren sind, dürfen sich als „waschechte
Münchner“ bezeichnen, eine aussterbende Spezies. Ich hatte Glück, ich gehöre
noch dazu. Als „Waschechte“ sehe ich meine Stadt auch mit einem kritischen Auge
und suche die sprichwörtliche Gemütlichkeit meiner Kindertage so manchmal
vergeblich. Diese Idylle von einst ist lauter, voller und schriller geworden und
für so manchen urstämmigen alten Münchner nicht mehr so ganz nachvollziehbar,
was die Millionen Touristen als „Bayerische Gemütlichkeit“ verstehen. Vielleicht
finden Sie ja noch etwas von der alten Gemütlichkeit in den „alten“ Biergärten
der Stadt… am Wienerplatz, Augustiner Biergarten, Chinesischen Turm im
Englischen Garten oder im Hirschgarten in der Nähe des Nymphenburger Schlosses.
Früher fuhr man stets gut gelaunt und gut erholt mit der weiß-blauen Trambahn
nach einem Biergartenbesuch nach Hause, die sich gemütlich und legendär
"ratternd" durch die Stadt schlängelte, wie es der Volkssänger Weiß Ferdl launig
mit seiner „Linie 8“ besungen hat. Die erste Tramway, eine Pferdebahn, fuhr ab
Oktober 1876 durch die Münchner Stadt bis hinaus zum Nymphenburger Schloss.
Heute geht es in rasantem Tempo unterirdisch durch die Stadt mit U- und S-Bahnen
– in alle und aus allen Richtungen im Minuten-Takt. Gemütlicher geht es
oberirdisch mit der immer noch weiß-blauen aber modernen Straßenbahn. Noch ein
Tipp an dieser Stelle, bevor ich Sie durch die Straßen "meiner Stadt" führe.
"Ein Münchner im Himmel" von Ludwig Thoma - eine
göttliche Satire, ein "Muss", wenn man die Ur-Münchner verstehen lernen will.
Selbst der liebe Gott hat aufgegeben und den stets - obwohl im Himmel -
grantelnden Alois Hingerl, Dienstmann Nummer 172, der das "Hosianna" nicht
singen wollte, seinen Schmaizler (Schnupftabak) und das Münchner Bier vermisste,
zurück in sein geliebtes München schickte… er landete aber nicht wie befohlen in
der bayerischen Regierung mit göttlichen Ratschlägen, sondern im Hofbräuhaus…
und do sitzt er "heit no…" (heute noch) und die Regierung wartet ebenfalls heit
no.
Folgen Sie mir nun durch meine Heimatstadt München, die von der Bauwut der
Wittelsbacher Herrscher kreiert und von Münchner Originalen wie dem Weiß Ferdl,
dem unvergessenen Valentin und seiner Partnerin Liesl Karlstadt geprägt wurde.

Ein Bummel durch Münchens "Gute Stube"…
Der Stadtspaziergang beginnt am Marienplatz, (Mittelpunkt Münchens seit fast
800 Jahren) und dies bitte immer genau um 11 Uhr mit dem Glockenspiel oben im
Rathausturm. Genau gesagt im Neuen Rathaus (1867-1908), ein neugotischer
Prunkbau von Georg Hauberrisser und gleichzeitig auch die Krönung aller Baustile
des Historismus in München. |
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Das Glockenspiel zählt zu den größten Europas und ist eine Hauptattraktion
unter den Münchner Sehenswürdigkeiten. Also nicht wundern, wenn die zahlreichen
Besucher der Stadt mit Ihnen den Hals verrenken, gespannt nach oben schauen und
das „Schauspiel“ verfolgen. Die untere Spiel-Etage zeigt den Schäfflertanz, der
sich alle 7 Jahre in München wiederholt und an die Pest Anfang des 16. Jh.
erinnert (2012 ist ein Schäfflerjahr). In der Etage darüber findet ein Turnier
zur Vermählung des Herzogs Wilhelm V. mit Renata von Lothringen (1568) statt.
Werfen Sie unbedingt einen Blick in den schönen gotischen Innenhof des
Rathauses bevor Sie vorbei an der Mariensäule, die an die Besetzung Münchens
durch die Schweden im dreißigjährigen Krieg erinnert, in Richtung Altes Rathaus
und Heilig Geist Kirche (reiche Rokoko-Ausstattung Gebrüder Asam) in Richtung
Viktualienmarkt folgen. Das spätgotische Alte Rathaus ließ 1315 Ludwig der Bayer
erbauen. Mehrfach brannte das Rathaus ab und wurde im 2. Weltkrieg fast
vollständig zerstört, insbesondere der Festsaal, der bis 1958 wieder vollständig
und original hergestellt wurde.
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1807 wurde der Münchner Viktualienmarkt vom Marienplatz auf das Gelände des
ehemaligen Heiliggeist-Spitals verlegt, zwischen der alten Schranne, der
Peterskirche und Heilig Geist Kirche. Seit über 200 Jahren pulsiert hier das
Leben zwischen einer Vielzahl verlockender Gerüche, frischem Obst und Gemüse,
Gewürzen, feinen Käsesorten, edlen Weinen, Milch- und Fleischprodukten… wie den
original Münchner Weißwürsten, bayerischem Leberkäse – unterm Maibaum und im
Biergarten inmitten des Marktes. Gestärkt mit Münchner Leckerbissen geht’s
kulturell weiter zur Peterskirche, dem „Alten Peter“.
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Münchens älteste Kirche ist St. Peter, von den Münchnern „Alter Peter“
genannt. Sie bzw. er hatte Vorrangstellung bis 1821 die Marienkirche zum Dom
(heute Münchens Wahrzeichen) erhoben wurde. Ausgrabungen in den 50er Jahren
verweisen auf eine romanische Backsteinbasilika mit zwei Westtürmen aus den
Jahren um 1180. Zwischen den Kirchen entstand ein Wetteifer, der der
Innenausstattung des Alten Peters zu gute kam. Die bedeutendsten Münchner
Kunsthandwerker schufen eine Pracht zwischen Gotik und Klassizismus - darunter
Johann Baptist Zimmermann (Hofstuckator), Egid Quirin Asam, Erasmus Grasser,
Joh. Georg Greiff, Ignaz |
Anton Gunetzrhainer (Stadtmaurermeister), Ignaz Günther und Joh. Baptist
Straub u.v.m. Das heutige Erscheinungsbild der Kirche war 1654 erreicht. Der
Turm mit Türmerstube und Rundgang war 1614 fertig gestellt. Wer möchte, kann
über hunderte von Stufen den Turm erklimmen und eine wunderbare Aussicht über
München genießen.
Der Weg führt weiter über den Rindermarkt, vorbei am Ruffinihaus mit der
eindrucksvollen Fassade (von 1175 bis 1808 stand hier ein Turm) zur Sendlinger
Straße und zur Asamkirche, St. Johann Nepomuk.
Stifter der Kirche ist der berühmte Bildhauer und Stuckator Egid Quirin Asam
(1692-1750). 1729 erwirbt er hier in einer Münchener Hauptstraße, die zum
Sendlinger Tor führte, zwei Häuser (Asamhaus). Er erfüllte damit seinen
langgehegten Wunsch Werkstatt, Wohnhaus sowie Bau und Ausstattung einer
Kirche zu verbinden. Gemeinsam mit seinem Bruder, dem Maler Cosmas Damian
(1686-1739) gestalte er das Asamhaus mit Kirche. Beide ergänzten sich nach dem
Studium in Rom ((1712-1713) auf wunderbare Weise und schufen nicht nur hier ein
Meisterwerk, das einem beim Betreten der Kirche überwältigt. Werke der
Asam-Brüder finden Sie in zahlreichen bayerischen Kirchen und Klöster.
Den Weg zurück zum Marienplatz „schmückt“ das eine oder andere Schaufenster,
denn die Sendlinger Straße ist eine beliebte Münchner Einkaufsstraße. Am
Marienplatz haben die Frühaufsteher unter uns nochmals Gelegenheit sich das
Glockenspiel anzusehen. Weiter geht es von hier durch zahlreiche kleine Gassen
zum Dom.
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Mächtig, düster ja behäbig wirkt die Liebfrauenkirche inmitten der engen
kleinen Gässchen rundherum und trotzdem passt sie gut in das Bild der Münchner
Gemütlichkeit. Der einzigartige Bau entstand (dank zahlreicher Bürgerspenden)
nach den Plänen Jörg von Halspach (Polling) in den Jahren 1468 bis 1488. Die
beiden Türme prägen Münchens Stadtbild entscheidend. Einer ist 100 Meter, der
andere nur 99 Meter hoch. Ob dies mit dem damaligen Geldmangel zu tun hat,
darüber lässt sich spekulieren. Auch darüber, ob es Spitztürme werden sollten
oder doch die erst 1525 aufgesetzten Zwiebelhauben. Wenn Sie von der
Liebfrauenstraße kommend durch das große Westportal den Dom betreten, erhalten
Sie ein anderes Bild der Kirche. Der dreischiffige Hallenraum ist hell und wirkt
entgegen der bereits vorangehend besuchten Kirchen eher schmucklos. Zu den
zahlreichen Künstlern der Holzreliefs und Skulpturen von Aposteln und Propheten
zählen auch der Oberpfälzer Erasmus Grasser und Ignaz Günther (u.a. das
Westportal).
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Über die Fußgängerzone der Theatinerstraße mit ihren Palais und schmucken
Bürgerhäusern jeglich möglicher Baustile, erreichen Sie den Odeonsplatz, der
verkehrsberuhigt zu den attraktivsten und zentralen Plätzen Münchens gehört.
Einmal um die eigene Achse gedreht prägt sich der Odeonsplatz unvergesslich ein.
Linker Hand die erste Barock-Kirche Münchens, die ehemalige Hof- und
Klosterkirche der Theatiner und rechter Hand die Feldherrnhalle, im Auftrag
König Ludwig I. 1840-44 erbaut. Der Hofgarten mit der Münchner Residenz, dem
ehemaligen Wohnsitz der Wittelsbacher, geben dem Platz ein fürstliches und
einzigartiges Ansehen, gesäumt von mächtigen und stolzen Löwen. Der Blick gen
Norden in die Ludwigsstraße lässt am Ende der Straße das Siegestor an der
Universität erkennen. Dahinter beginnt mit der Leopoldstraße wohl Münchens
bekanntester Ortsteil – Schwabing.
Die Residenz ist ab dem Ende des 14. Jh. in mehreren Baustufen je nach Gusto
des jeweiligen Herrschers entstanden. Die Luftangriffe im Sommer 1944 zerstörten
die Residenz erheblich, wertvolle Rokoko-Zimmer brannten aus. Die Residenz
erstrahlt längst wieder im alten Glanz und im Alten Residenztheater
(Cuvilliès-Theater) wird bereits seit 1958 wieder gespielt.
Das Residenzmuseum und die Schatzkammer können täglich besichtigt werden, das
Cuvilliér-Theater im Apotheker-Hof je nach Jahreszeiten in der Regel zwischen 14
und 17 Uhr.
Rund um den Odeonsplatz laden gemütliche Einkehrmöglichkeiten zu einer
kleinen Verschnaufpause ein, bevor Sie der Weg durch die Residenzstraße zum
Max-Josepf-Platz mit dem Nationaltheater führt. Erbaut um 1812 durch Karl von
Fischer und nach einem Brand um 1823 durch Leo von Klenze, in Anlehnung an die
Pläne Fischers, wieder erbaut.

Über die Maximiliansstraße, einer der nobelsten Prachtstraßen Münchens mit
Edelboutiquen der großen Modedesigner und Blick zum Maximilianeum (Sitz des
Bayerischen Landtags, erbaut von Bürklein und Semper) am Ende der Prachtstraße
und über der Isar thronend, gehen wir bis zur Abzweigung rechts, Am
Kostor.
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Sie können auf den ersten Blick erahnen, wohin die kleine Gasse führt.
Richtig, zum Platzl und zum bekanntesten „Biertempel“ der Welt, dem Münchner
Hofbräuhaus, dessen Geschichte 1589 begann. Ein schattiger Biergarten im
Innenhof unter alten Kastanienbäumen lädt ein, sich vom anstrengenden
Stadtbummel zu erholen, bevor es über das Tal zum Ausgangsort Marienplatz zurück
geht.
Dieser Stadtrundgang führte Sie durch die „Gute Stube“ Münchens, was aber
nicht heißt, dass sie München nun genau kennen. Nein, da gehört noch viel mehr
dazu…
Weitere Sehenswürdigkeiten...
Königsplatz (das Griechische an München!), Nymphenberger Schloss, Neue und
Alte Pinakothek, Haus der Kunst, das Isartor im Tal mit Valentin-Museum,
Deutsches Museum auf der Insel in der Isar, Englischer Garten, das
Monumentalstandbild der Bavaria an der Theresienwiese (Oktoberfest) und vieles
mehr… In der Vorstadt Berg am Laim sollten Sie die typisch bayerische
Barock-Kirche St. Michael mit den bekannten Künstlern wie den Baumeister Johann
Michael Fischer (teilweise auch Kögelsperger, Fassade), Fresken und Stuck von
Johann Baptist Zimmermann sowie die Altäre von Johann Baptist Straub um 1700
geschaffen, nicht versäumen.
Text und Bild Christa Leopold Historische
Quellen: München (Kindler Verlag 1958), Haus der Bayerischen
Geschichte, Kirchenführer
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