König Ludwig II. (1845-1886) - ein Visionär und seine Schlösser
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Schloss Neuschwanstein unten Spiegelsaal
Herrenchiemsee |
Ludwigs Schlösser haben Bayern nachhaltig geprägt und brauchen keine großen
Erklärungen mehr, sie sind auf der ganzen Welt ein Begriff. Die einen halten die
Königsschlösser für Auswüchse eines Verrückten, die anderen für phantastische
und technische Meisterwerke eines Visionärs. Aber wie kam es dazu? Was trieb den
Bayerischen König an? Urteilen Sie selbst darüber und erfahren Sie mehr über den
beliebten bayerischen König und seine Schlösser.
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Ludwig verbrachte seine Kindheit größtenteils im Schloss seines Großvaters
Ludwig I., in Hohenschwangau (links im Bild), nahe der Lechstadt Füssen und am
Alpsee. Der Schwanenritter Lohengrin, Held der übermächtigen Wandmalereien aus
der Nibelungensage in den Gemächern des Schlosses, begleitete Ludwigs Kindheit,
die wenig von Mutterliebe geprägt war. Der Schwan war zudem das Wappentier der
Grafen von Schwangau. Ludwig war ehrgeizig und war sich seiner Pflichten als
künftiger König bewusst. Nach dem frühen Tod seines Vaters Maximilian II. wurde
er im Jahr 1864 zum König ernannt. Ludwig war 18 Jahre. Sein Streben galt seinem
bayerischen Volk, dem er ein guter König sein wollte, aber es sollte anders
kommen. Bayern wurde zu Zeiten seines Großvaters Ludwig I. eine konstitutionelle
Monarchie, weshalb dieser abdankte und seinem Sohn Maximilian den Thron
überließ, Ludwigs Vater, dem diese Tatsache weniger störte. Der junge König
musste erleben, wie seine Anordnungen zum Wohle des Volkes von seinem
Ministerrat hintergangen wurden.
Ein Krieg war das Letzte was Ludwig für sein Volk wollte und trotzdem musste
er die Bayern bereits zwei Jahre später, 1866 mit den Österreichern gegen die
übermächtigen Preußen in die Schlacht schicken. Sein Bruder Otto zog als junger
Hauptmann mit in den verhassten Krieg. Ludwig wollte den Frieden und eine von
ihm vorgesehene Abdankung wurde verhindert. Er wollte kein
„Unterschreib-König“ sein, wie er es selbst nannte. So widmete er sich der Musik
und Theaterkunst, dem technischen Fortschritt, da er zum Regieren ja eh nicht
„gebraucht“ wurde. Er förderte Richard Wagner, dessen Musik er als junger Prinz
im Münchener Hoftheater kennen und lieben lernte. Ludwig förderte die
Oberammergauer Passionsspiele und erfüllte „seinen“ Münchnern den Wunsch nach
einem eigenen Volkstheater, das Theater am Gärtnerplatz.
1867 reiste der junge König zur Weltausstellung nach Paris und kehrte
begeistert von der neuen Technik nach München zurück. Ebenso begeistert war er
vom Bourbonenkönig Ludwig XIV. und dessen Schloss in Versailles, das er auf
einer zweiten Reise nach Paris besichtigen konnte. Eifrig schmiedete Ludwig
Pläne, die sein Vater Maximilian schon hegte, nämlich den Wiederaufbau der Ruine
Vorderhohenschwangau, das heutige Neuschwanstein. Ludwig, der zum Regieren ja
nicht gebraucht wurde, setzte die Bauleidenschaft seiner Wittelsbacher Vorväter
fort. Sein Großvater Ludwig I. prägte München entscheidend mit seiner Vorliebe zur griechischen Bauweise
(Königsplatz) und bescherte den Baiern das griechische „y“. Sein zweiter Sohn
Otto wurde der 1. König von Griechenland. Nun, sein Enkel Ludwig liebäugelte da
schon mehr mit der Nibelungensage und den Bourbonenkönigen Frankreichs (Schloss
Herrenchiemsee). Und, er plante seine Bauwerke nach den neuesten
Errungenschaften der Technik. Stahlkonstruktionen für den Hochbau und Kuppeln
(Schloss Neuschwanstein), elektrische Bühnentechnik (Schloss Linderhof). Dazu
lebte Ludwig im ausgehenden 19. Jahrhundert, der Epoche des Historismus, die
gerade „modern“ war. Diese Epoche führte in ganz Europa zu historischen
Nachbildungen, nur keine dieser Bauwerke egal ob in Rom, Prag, Wien, Paris oder
in London brachten es zu so viel Ruhm wie die Königsschlösser in den bayerischen
Bergen.
Ludwig war ein fortschrittlich denkender König. War sein Großvater noch
bestrebt die Bleigießerei in München
zum Höhepunkt zu bringen, mit der alles überragenden Bavaria an der Münchner
Theresienwiese (Oktoberfest), so gab Ludwig den Pionieren der neuen Technik im
Bereich der Elektrizität und dem monumentalen Stahlbau (Grundstock für die
zahlreichen Wolkenkratzer der Weltstädte) eine Chance und gab seinem Volk
Arbeit.
1869 wurde der Grundstein für das imposante Schloss Neuhochschwangau im Stil
einer mittelalterlichen Burg gelegt, ein Meisterwerk der neuen
Stahlkonstruktion. Allein die Marienbrücke, die über die Pöllatschlucht zum
Schloss führt und einen der schönsten Blicke auf Neuschwanstein preisgibt, ist
eine Meisterleistung der frühen Stahlbaukunst. |

Im selben Jahr begannen auch die Umbauarbeiten des Forsthauses im
Graswangtal zum „Königshäuschen“, dem späteren Schloss Linderhof, nahe Ettal im
Ammergebirge. In Schloss Linderhof wurde die Elektrizität zur
zentralen Technik, ein Wegweiser für modernste Bühnentechnik und öffentliche
Elektrizitätswerke. Ludwig ließ im Schloss Linderhof die erste elektrische
Anlage einbauen, was ein Elektrizitätswerk für Linderhof mit sich zog. Jeder,
der heute die Venusgrotte in all ihrer Farbenpracht belächelt und am
Geisteszustand des Königs zweifelt, sollte bedenken, dass diese elektrische
Anlage rund ein Jahr vor Thomas A. Edisons Glühlampenversuche und vier Jahre vor
der ersten Installation öffentlicher Elektrizitätswerke in Betrieb ging. Das
erste öffentliche E-Werk in Bayern gab es erst im Jahr 1878, das erste deutsche
E-Werk ging in Berlin 1885 in Betrieb. Selbst der Akku-Betrieb wurde von König
Ludwig vorangetrieben. Eine akkubetriebene Glühlampe erhellte seine nächtlichen
Schlittenfahrten, die er so liebte. Ludwig war kein Freund von Menschenmassen,
ihn zog es in die Stille seiner bayerischen Berge. Heute würde man sagen - ein
Individualist, ein Aussteiger.
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Ebenso fasziniert war Ludwig von den ersten Plänen eines Luftschiffes, dem
späteren Zeppelin und den ersten Flugversuchen mit einem am Seil geführten
Ballon. Dieser Ballon wurde für Aussichtsfahrten über Paris schon im Jahr 1878
und zur Versorgung der Soldaten im 70er Krieg eingesetzt. Seine, nach diesem
Prinzip geplante Ballon-Seilbahn mit dem Schwanen-Schiff vom Balkon
des Schlosses Neuschwanstein über den Alpsee, könnte noch heute für die
zahlreichen Touristen in Betrieb sein, sie hätte funktioniert, das weiß man
heute. |
Schloss Herrenchiemsee, ein »Tischlein deck dich« und
ein königliches Schwimmbad

Bereits vor dem Erwerb der Herreninsel hatte König Ludwig II. ein
Schloss nach dem Vorbild von Versailles geplant. Der Architekt Georg Dollmann
setzte seine Pläne um und konzipierte ein noch perfekteres Versailles, Baubeginn
1878. Mit einer Länge von 98 Metern ist der Spiegelsaal (17 Spiegel) größer als
die Spiegelgalerie in Versailles. Die 1.848 Kerzen der 44 Kandelaber und 33
Lüster brannten damals noch allein für den König. Die Bauarbeiten wurden am 5.
Mai 1886 gegen den Willen des Königs aus Geldmangel eingestellt. Mehr zur Herrenchiemsee, Altes und Neues
Schloss >
Was zum Nachdenken gibt…
Ludwig brauchte viel Geld für seine Bauwerke, das Geld seiner
Wittelsbacher Familie. Der Ministerrat führte Bayern 1970 in einen weiteren
Krieg, diesmal an der Seite der Preußen gegen Frankreich. Sein Bruder Otto war
auch in diesem Krieg dabei. Der Ministerrat führte Bayern in die Hände des
preußischen Kaisers. Ludwig war mit den zweifelhaften Machenschaften der
Entstehung des Deutschen Reiches, der Unterordnung Bayerns und mit den
Anordnungen Bismarcks nicht einverstanden. All seine Widerstände trieben eine
Entmündigung und Absetzung des Königs voran. Hilfreich waren seinen Gegnern
hierbei die hohen Kosten seiner Bauwut und die psychische Störung seines Bruders
Otto. Viele Ungereimtheiten gab es, nachgewiesene Falschaussagen und Neid. Sein
Cousin Ludwig wollte König werden hört man. Der König soll über seinen Cousin
geäußert haben „er prinzelt gern“. Sein Cousin wurde im Jahr 1913 König, nach
dem Tod seines Vaters, dem Prinzregenten Luitpold, der für den kranken Otto nach
dem Tod Ludwigs II. die Regentschaft Bayerns übernahm. Ludwig III. ging als
letzter bayerischer König in die Geschichte ein. Der, weil er die Aufhebung der
Monarchie nach dem 1. Weltkrieg 1918 nicht glauben und auch nicht abdanken
wollte, am Ende aus Bayern fliehen musste.
1886, das Jahr mit den vielen Fragen…
Warum ließ man den König nicht mehr nach München um öffentlich vor
seinem Volk zu sprechen, so wie es sein Wunsch war? Durften das Volk und die
Presse ihn nicht mehr persönlich sehen, weil er keineswegs geisteskrank war und
der Schwindel dabei aufgeflogen wäre?
Warum wurde Ludwig II. von seinem Schloss Neuschwanstein unter
Protest seiner treuen Bediensteten und der Schwangauer Bürger wie ein
Schwerverbrecher in aller Frühe (12. Juni 1886, 4 Uhr) abgeholt? Warum konnte
die Kutsche von innen nicht geöffnet werden? Warum gab es in der Kutsche
Fußfesseln? Warum eine Zwangsjacke und warum Chloroform? Der König war äußerlich
völlig gefasst und ruhig. Warum hat man den König in Schloss Berg am
Starnberger See angekommen, gefangen gehalten? Es bestand Fluchtgefahr! Hat der
geachtete Psychiater von Gudden, der auf Drängen des Ministerrates ein für den
König fatales Gutachten der Geisteskrankheit ausgestellt hatte, ohne ihn je
persönlich untersucht zu haben, seinen Fehler in Schloss Berg bemerkt? Erkannte
er, dass der König gesund war als er ihm gegenüber stand und mit ihm gesprochen
hat? Musste von Gudden deshalb mit dem König sterben? Warum wollte von Gudden
mit dem König ohne Begleitung durch den Schlosspark spazieren? Sah von Gudden
keine Gefahr darin, mit dem angeblich geisteskranken König allein zu sein?
Gehörte er zur Verschwörung und sein Tod war ein Versehen oder wollte er Ludwig
zur Flucht verhelfen und musste deshalb sterben?
Ein Lügengerüst aus Machenschaften? Führten diese zum
mysteriösen Tod des Königs im Starnberger
See nahe Schloss Berg am Abend des 13. Juni 1886?
Was geschah am See wirklich?
Der König und von Gudden wurden kurz vor 23 Uhr tot im See aufgefunden.
Selbstmord des Königs ausgerechnet im knietiefen Wasser, wenige Meter vom Ufer
entfernt? Ein guter Schwimmer wie der König einer war, hätte dabei sicher große
Probleme sich das Leben zu nehmen. Ein Kampf mit von Gudden? Warum hat man den
toten König nicht gleich ins Schloss gebracht? Warum wurde eine Fischerhütte
voreilig abgebrannt, in der der blutüberströmte König nach seinem Tod gelegen
haben soll, wie Augenzeugen berichteten? Warum hat man den ganzen Ort Berg unter
Schweigepflicht gestellt, weil angeblich Schüsse gehört wurden? Wurde der König
auf der Flucht erschossen, als er in ein bereits auf ihn wartendes Fischerboot
einsteigen wollte? Haben die Gugelmänner recht, die diese Theorie verfolgen und
vom plötzlichen Reichtum der Augenzeugen sprechen? Dies ist nachzulesen auf
einer Tafel am Fischerhaus des ehemaligen königlichen Leibfischers in der
Seestraße in Berg - "Das Geheimnis der Bootshütte". Fragen über
Fragen...
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…und warum hat man nach seinem Tod ein Gemälde von Gabriel Schachinger
anfertigen lassen, das den kräftigen König im Großmeistergewand des Ritterordens
St. Georg darstellte (Museum Schloss Herrenchiemsee) das ihn mit wirren und
düsteren Augen zeigte? Wollte man dem Volk sagen, das seinen König über den Tod
hinaus verehrte, „seht her, er war doch geisteskrank und größenwahnsinnig“?
Fotografien aus dem Todesjahr belegen eher einen gutmütigen und warmherzigen
König, was auch seine |
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treuen Wegbegleiter berichteten, die ihm bis zum Schluss halfen, diesem Spiel
zu entkommen. Zuletzt stellt man sich die Frage, warum diese Geschichte
nicht endlich eine Klärung findet, der Leichnam des Königs bis zum heutigen Tage
nicht zur Obduktion durch eine unabhängige Kommission frei gegeben wurde?
In der Bayerischen Landesausstellung 2011, „Götterdämmerung. König
Ludwig II. und seine Zeit“ im Schloss Herrenchiemsee, war übergroß die
Polizeiskizze vom 15. Juni 1886 an die Wand projiziert. Dem kritischen und dem
König wohlgesonnenen Betrachter erscheinen diese Aufzeichnungen wenig glaubhaft.
Dies alles im knietiefen Wasser und wenige Meter vom Ufer entfernt. Es wurden
Gedächtnisprotokolle geschrieben und noch zwei Tage später im aufgewühlten See
"Schleif- und Einzelspuren" gesichert.
"Ein ewig Rätsel will ich bleiben"... allein diesen Wunsch hat man dem
König erfüllt.
Das Schloss Neuhochschwangau wurde nach Ludwigs Tod zu Neuschwanstein. Für
die Schmähpresse wurde daraus Neu-Wahnstein. König Ludwig soll angeordnet haben,
dass die Schlösser nach seinem Tod abgerissen werden müssen. Wie verzweifelt,
enttäuscht und wütend muss ein Mensch sein, so etwas nach allen Mühen zu äußern?
Sicherlich nachvollziehbar, Ludwig wollte mehr für sein Land erreichen und
fühlte sich hintergangen.
Wenige Wochen nach dem Tod des Königs wurden seine Schlösser für die
Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Besucherströme halten bis zum
heutigen Tage an. Schade finde ich, dass Ludwig die Ballon-Seilbahn mit dem
Schwanen-Schiff vom Balkon des Schlosses Neuschwanstein über den Alpsee
nicht mehr realisieren konnte. Dies wäre eine weitere Attraktion für die
vielen Besucher seines Schlosses.
Heute führen durch künstliche Disney-Phantasieländer Seilbahnen von der
Nachbildung des Schlosses Neuschwanstein zu weiteren Attraktionen. Ludwig war
seiner Zeit weit voraus und es ist sein Schloss, das hundert Jahre später den
Sprung in das Logo des Milliardenunternehmens Disney schaffte.

Der Relais und Alpen Tipp!
Die Historischen Routen rund um die Königsschlösser
Schloss Herrenchiemsee - Chiemgau und Salzburg
Autorin: Christa Leopold Fotorechte und Freigabe:
Bayerische Schlösserverwaltung, Shutterstock, Christa
Leopold Quellennachweis: Hans Rall/Michael
Petzet "Wirklichkeit und Rätsel" Div. Veröffentlichungen Haus der Bayerischen
Geschichte und Katalog zur Landesausstellung 2011
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