Chiemsee, das Bayerische Meer


Bayerns größter See (84 Quadratkilometer) ist ein »Überrest« des letzten
Alpengletschers und vor fast 15.000 Jahren entstanden. Sein wichtigster Zufluss
ist die Tiroler Ache. Das Mündungsdelta der Ache ist ein wahres Vogelparadies
und Naturschutzgebiet. Der fischreiche See lockte Kelten und Römer an, die am
See und auf den Inseln siedelten. Im 8. Jh. gründete Herzog Tassilo III. von
Bayern auf der Herreninsel ein Benediktinerkloster, das allerdings im 10. Jh.
von den Ungarn fast vollständig zerstört wurde. 1130 entstand das
Augustinerchorherrenstift. Von 1215 bis zur alles vernichtenden Säkularisation
im Jahr 1803 war das Kloster Herrenchiemsee das Zentrum des Bistums Salzburg
(Suffraganbistum Chiemsee). 1878 erwarb König Ludwig II. die Insel um die Natur,
den alten Baumbestand zu retten. 10 Jahre später baute er auf der Insel sein
Märchenschloss. Das Kloster auf der Fraueninsel wurde von Kaiser Ludwig dem
Deutschen um 860 gegründet. Die erste Äbtissin war seine Tochter Irmingard. Sie
wurde 1929 selig gesprochen. Die schlechte wirtschaftliche Lage des Klosters
erlaubte es nicht, prächtige Fürsten- und Äbtissinnenräume auszustatten (Brände,
Ungarnkriege). Nach der Säkularisation (1803) durften die Nonnen im Kloster
bleiben, da sich kein Käufer für die Klosteranlage fand.
Die Herreninsel – Altes Schloss
Das ehemalige Augustiner Chorherrenstift wird auch als »Altes Schloss«
bezeichnet. Die Gründung geht auf den Agilolfinger, Herzog Tassilo III. im 8.
Jh. zurück. 1130 entstand das Augustiner Chorherrenstift. 1215 richtete das
Bistum Salzburg das Suffraganbistum Chiemsee ein. Wie die meisten Klöster im
Mittelalter wurde Chiemsee zum wichtigsten Kulturträger mit einem
wirtschaftlichen und politischen Zentrum. Im Kloster gab es eine reichhaltige
Bibliothek, ein Skriptorium zur Buchherstellung und eine Schule, die vorwiegend
von Söhnen des Hochadels besucht wurde.
Das Kloster, insbesondere der »Fürstenstock« gehört zu den eindruckvollsten
Barockanlagen des 17.und 18. Jh. Der Inseldom, der bedauernswerter Weise der
Säkularisation zum Opfer fiel, wurde in prachtvollem Barock (1676/87) errichtet.
(Baumeister: Lorenzo Scasia, Stuck: Giulio Zuccalli) In den Jahren 1713 – 1715
entstand das Kaiserzimmer, das den Betrachter in Staunen versetzt. Die
hochbarocke Wandmalerei stammt von Benedikt Albrecht. Mit einer
Scheinarchitektur blickt man in Gärten, die den Raum größer erscheinen lassen,
bis hin zu den Darstellungen an der Decke, durch die eine nicht vorhandene
»Höhe« entsteht. 1738 schuf der Münchner Hofbaumeister und Stuckateur Johann
Babtist Zimmermann den 2-schiffigen Bibliothekssaal. Im Konventstock tagte
im August 1948 der Verfassungskonvent zur Vorbereitung des Grundgesetzes für die
Bundesrepublik Deutschland.
Schloss Herrenchiemsee, das Schloss mit dem »Tischlein deck dich«

Bereits vor dem Erwerb der Herreninsel hatte König Ludwig II. ein Schloss
nach dem Vorbild von Versailles geplant. Der Architekt Georg Dollmann setzte
seine Pläne (Baubeginn 1878) um und konzipierte ein noch perfekteres Versailles.
Mit einer Länge von 98 Metern ist der Spiegelsaal (17 Spiegel) größer als die
Spiegelgalerie in Versailles. Die 1.848 Kerzen der 44 Kandelaber und 33 Lüster
brannten früher allein für den König. Die Bauarbeiten wurden am 5. Mai 1886
eingestellt. Am 13. Juni 1886 starb der König im Starnberger See. »Wenn ich
nicht bauen darf, kann ich nicht leben«.
König Ludwig II. >>> ein
Visionär und seine Schlösser. Erfahren Sie mehr über die Königsschlösser, der
Geschichte Ludwigs, die tragisch und mysteriös im Starnberger See
endet.
Frauenchiemsee, Kleinod im See
Die Insel war von jeher ein wirtschaftlicher Sonderfall. Der weltliche Teil
hatte den Charakter eines Handwerksdorfes. Fischerei und Töpferei. Zur
Landwirtschaft diente die nahe gelegene Krautinsel. Das Marienmünster ist
ein spätottonischer Bau aus dem frühen 11. Jh. Der wertvollste Besitz sind die
Wandmalereien des frühen 12. Jh. (Ausstellung im Museum der Torhalle) Die
Türumrahmung mit dem Tympanonfeld stammt vermutlich aus karolingischer Zeit (9.
Jh.) Eine Besonderheit, der romanische Löwenkopf als Türklopfer. Der neben der
Kirche stehende Campanile ist das Wahrzeichen des Chiemgaus. In seiner 8-eckigen
Form wurde er ursprünglich als Wehr- und Fluchtturm im 10./11. Jh. erbaut. Der
heutige Zwiebelturm ersetzte 1572 den alten Spitzturm. Der Zwiebelturm ist der
älteste Bayerns.

Frauenchiemsee, die Torhalle der Karolinger
Neben dem im 9. Jh. durch Ludwig dem Deutschen gegründeten Kloster, mit der
prachtvollen Inselkirche und dem Campanile, steht das älteste »Hochgebäude«
Bayerns, die romanische Torhalle. Die offene Halle mit dem Tonnengewölbe ist
eine der ältesten Gewölbeformen und aus der griechischen und etruskischen
Architektur bekannt. In der Michaelskapelle im Obergeschoss wurden Mäanderfriese
und figürliche Wandbilder freigelegt. Die monochrom in roten Strichen
dargestellten Engel sind auf das frühe 9. Jh. zurückzuführen.
Bevor Sie die Insel wieder verlassen, sollten sie sich ein bisserl Ruhe
gönnen, einen Chiemseefisch probieren und beim Inseltöpfer vorbei schauen, neben
der Fischerei von alters her eine Tradition auf Frauenwörth.
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